Das Gebet auf dem Arbeitsplatz – Ein Problem?

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Selamunaleykum liebe Geschwister,

Allah azze ve celle sagt im Koran: „Verlies, was dir vom Buch (als Offenbarung) eingegeben wird, und verrichte das Gebet. Gewiß, das Gebet hält davon ab, das Schändliche und das Verwerfliche (zu tun). Und das Gedenken Allahs ist wahrlich größer. Und Allah weiß, was ihr macht.“[1] (29:45)

Neben diesem Vers gibt es im Koran noch viele weitere Stellen, in denen vom Gebet gesprochen wird. Als Muslime versuchen wir diesen Aufforderungen, sowie allen anderen Aufforderungen im Koran auch, zu folgen. Doch manchmal begegnen uns Herausforderungen, denn „Meinen die Menschen, daß sie in Ruhe gelassen werden, (nur) weil sie sagen: ‚Wir glauben‘, ohne daß sie geprüft werden?“ (29:2)

Eines der häufigsten Gründe, warum es manchen Geschwistern schwerfällt zu Beten, sind die Bedingungen in der Schule, der Universität oder auf dem Arbeitsplatz. Auch ich hatte manchmal Bedenken, was man über mich denkt, wenn ich nach einem Raum bzw. einen ruhigen Platz zum Beten fragen würde oder mich gar dabei „erwischt“. So war es für mich normal, beispielsweise nach der Schule zu einem späteren Zeitpunkt alle Gebete, die ich über den Tag verpasste, nachzubeten. Doch ab der Universität änderte sich das, alhamdulillah. Hier war es vor allem eine muslimische Freundin, mit der wir zusammen uns auf die Suche nach einem Versteck zum Beten machten. Der Platz vor dem Notausgang, der abgeschlossen und ca. 2m² hatte, wurde zu unserem Mescid.

Später begann ich zu arbeiten, und war fest entschlossen, meine Gebete auf der Arbeit fortzuführen. Ich hatte Zweifel, wie man mich begegnet, wie man zur „Sache“ steht, welche Rechtfertigungen (!!!) ich bringen kann bzw. wie ich mich erklären kann. Doch zu meinem Erstaunen: Das alles war unnötig. Und das nicht nur bei einem Arbeitgeber. Ich hatte verschiedene Arbeitgeber und habe bei allen, durchweg, die Möglichkeit bekommen, an einem ruhigen Platz zu beten. Das, weil ich danach gefragt und z.T. das einfach gefordert habe. Ich möchte an dieser Stelle ein paar kleine Anekdote mit euch teilen:

Bei einem meiner Arbeitgeber fragte/ sagte ich, dass ich im Lagerraum „kurz“ beten gehen möchte. Man schaute mich an und sagte, dass es doch so viele freie Seminarräume gibt und ich statt im staubigen Lager in einem der Seminarräume mein Gebet verrichten soll. Subhanallah. Allah öffnet Türen.

Auf einer Konferenz im Ausland fragte ich an der Rezeption, wo ich beten könnte. Die Mitarbeiterin des Hotels führte mich in ein VIP-Raum. Subhanallah.

Auf einer anderen Veranstaltung an einer Uni fragten meine Freundin und ich nach einem „Raum der Stille“ oder ähnliches. Der Professor nahm sich Zeit und führte uns in einen leeren Seminarraum.

Meiner Meinung nach haben wir Muslime manchmal die Schwäche, zu viele Sorgen zu haben, ohne es einmal auszuprobieren. Viele Nicht-Muslime, so meine Erfahrung, begegnen die Angelegenheit mit Respekt. Man sollte also den Mut haben, die eigenen Wünsche zu Wort zu bringen. Irgendwo gibt es immer einen Platz. Und das ist unser Jihad. In aller erster Linie der Jihad mit dem Nafs. Das Gebet führt zu vielen Gesprächen und zum Kennenlernen. Ich hatte Fälle, in denen mein Gegebenüber anfing zu reflektieren. Ich hatte sogar einmal den Fall, dass eine aus der Runde indirekt zu Wort brachte, dass ihr (eine Nicht-Muslima) das (der Halt im Glauben/ der Glaube an Gott?) in ihrem Leben fehlt. Der Islam, das Gebet sind unser Halt. Es ist eine Möglichkeit, aus dem Alltagsstress rauszufinden, um sich mit dem Geliebten zu treffen. Es ist eine Kraftquelle, der Weg, den inneren Frieden zu finden. Es ist deine Religion, wofür du dich nicht rechtfertigen musst, es ist ein Bedarf, den du verspürst und die Freiheit hast, sie zu stillen. Also: Trau dich!


[1] Die Übersetzung der Verse stammen aus www.islam.de.

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