Gefängnis – Freiheit des Herzen

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„Was können mir meine Feinde schon antun? Sowohl mein Paradies als auch mein Garten sind in meinem Herzen. Wo auch immer ich hingehe, gehen sie mit mir, sie verlassen mich niemals. Für mich ist Gefangenschaft eine Möglichkeit, alleine mit meinem Herren zu sein. Die Hinrichtung wäre Märtyrertum und eine Vertreibung aus meinem Land eune spirituelle Reise.“ (Ibn al-Qayyim: al Wabil, S.69)

Indem er Denjenigen, der keinen Fehler, kein Ende und keine Schwäche hat, zum einzigen Objekt seiner Anbetung und Verehrung machte, beschrieb Ibn Taymiyyah eine Flucht aus dem Gefängnis dieses Lebens.

Er beschrieb einen Gläubigen, dessen Herz frei ist. Es ist ein Herz, das frei ist von den Fesseln der Sklaverei in diesem Leben und allem, was in ihm ist.

Es ist ein Herz, das versteht, dass die einzig wahre Tragödie die Gefährdung des Tauhid (die Lehre von der Einheit Gottes), die einzig unüberwindbare Bedrängnis die Anbetung von jemand oder etwas anderem als dem Einen, dem die Anbetung gebührt, ist.

Es ist ein Herz, das versteht, dass das einzig wahre Gefängnis das Gefängnis, Gott durch etwas anderes zu ersetzen, ist. Ob dieses Objekt die eigenen Begierden, die Nafs, der Wohlstand, der Job, der/die Ehepartner/in, die Kinder oder die Liebe des Lebens sind, die falsche Gottheit wird dich in die Falle locken und dich versklaven, wenn du sie als das Höchste annimmst. Der Schmerz dieser Gebundenheit wird größer, tiefer und länger anhaltend sein als jeder andere Schmerz, dir durch all die Tragödien dieses Lebens zugefügt werden könnte.

Die Erfahrung des Propheten Yunus zu verinnerlichen ist so wichtig. Als er im Bauch des Wals gefangen war, hatte er nur einen Ausweg: sich vollständig Allah zuzuwenden und Seine Einheit sowie seine eigene menschliche Verletzlichkeit zu erkennen. Sein Du’a fasst diese Wahrheit in einer sehr tiefgründigen Weise zusammen:

„Es gibt keinen Gott außer Dir! Preis sei Dir! Gewiß, ich gehöre zu den Ungerechten.“ (Qurān, Sure 21:87) 

Viele von uns sind ebenfalls im Bauch des Wals unserer Begierden und Objekte der Verehrung gefangen. Es ist unser eigenes Selbst, das uns versklavt. Und diese Gefangennahme man irgendetwas oder irgendjemand anderes in unser Herz lässt, wohin eigentlich nur Allah alleine gehört. Dadurch schaffen wir das schlimmste und schmerzhafteste Gefängnis, denn während ein weltliches ist das Resultat dessen, dass Gefängnis nur das wegnehmen kann, was vergänglich und grundsätzlich unvollkommen ist, nimmt das spirituelle Gefängnis das weg, was vollendet, unendlich und perfekt ist: Allah und unsere Beziehung zu Ihm.“


Quelle: Mogahed, Yasmin (2020). Fordere dein Herz zurück. IB Verlag, S. 83-85.

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