Es ist nie zu spät!

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Es kommt vor, dass wir nicht immer die Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichen bzw. erfüllen. Dies ist der aufgrund der zusätzlichen körperlichen und geistigen Beanspruchung während der Schwangerschaft besonders der Fall.
Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir nicht in der Lage waren, das Beste aus unserer Schwangerschaft zu machen und denken, dass unser Ungeborenes womöglich nicht den allerbesten Start ins Leben hatte. Vielleicht waren wir nicht in der Lage, dem Quran die maximale Aufmerksamkeit zu bieten, oder wir waren nicht in der Lage unseren Bauche, so gut wie möglich vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Doch lasst uns nicht verzweifeln, denn es ist nie zu spät damit zu beginnen.

Es ist wichtig zu bedenken, dass die Schwangerschaft lediglich der Anfang ist. Sie dauert nur neun Monate und das Baby kann, nachdem der Gehörsinn aktiv ist, lediglich einen Bruchteil dieses Zeitraums hören. Wenn unser Baby erst einmal geboren ist und Allah will, wird unser Baby nicht nur hören, sondern uns auch sehen und fühlen. Dann können sie eine Menge mehr von den Geräuschen lernen, die sie hören.

Wie wir aus den zuvor erwähnten psychologischen Ergebnissen erschließen können, ist es absolut möglich, dass ein Neugeborenes mit dem Qur’ân vertraut sein und ihn wieder erkennen kann. Jedoch kann ein kleines Neugeborenes dies noch nicht äußern, denn der einzige Ton, den ein Neugeborenes von sich gibt, ist das Schreien. Eine Ausnahme stellt Isa (Jesus – dar, der bereits in der Wiege sprach)

Für all jene Neugeborenen, welche Teile des Qur’âns oder sogar den vollständigen Qur’ân wahrnehmen, sollten wir nicht vergessen, dass diese Kinder erst in der Lage sein werden diese Fähigkeit zu demonstrieren, wenn sie sprechen können. Es dauert ein Jahr, manchmal zwei Jahre, bevor Kleinkinder ihre ersten Worte sprechen. Zwischen der Zeit der Geburt und ihrer ersten Worte haben Kinder die Möglichkeit sehr viel mehr Qur’ân zu hören, als sie es im Bauch getan haben. Es liegt eine lange Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt, zu dem das Baby das erste Mal hört und dem, zu dem es das erste Mal spricht nicht nur während der Schwangerschaft. Dazwischen befindet sich eine lange Zeit des Zuhörens und Lernens. Bei regelmäßigem, fortlaufendem Lernen über einen längeren Zeitraum von etwa zwei Jahren, werden sie mit dem Qur’ân vertraut und verinnerlichen ihn.

Dies ist jedoch kein Ersatz für unsere Bemühungen während unserer Schwangerschaft. Vielmehr sollte es diejenigen von uns trösten und ermutigen, die während ihrer Schwangerschaft gerne mehr dafür getan hätten, doch nicht konnten oder nicht taten. Diese Bemühung endet nicht mit der Geburt des Babys. Vielmehr hat sie gerade erst begonnen. Während dieses einen Jahres, das wir etwa Zeit haben, bevor unsere Babys die ersten kurzen Worte zu sprechen beginnen und sich die
Sprache bei ihnen entwickelt, können wir sie, inschaAllâh, regelmäßig den Qur’ân hören lassen. So können wir auf dem Teil aufbauen, den sie hörten, als sie noch im Bauch waren, ganz gleich ob es viel oder wenig war.

Wenn unser Baby erst einmal geboren ist, ist es noch wichtiger es beständig den Qur’ân hören zulassen, selbst wenn es nicht sprechen kann und unaufmerksam zu sein scheint. Dies ist so wichtig, weil Babys Töne wieder erkennen, die Kleinkinder, Kinder und Erwachsene nicht unterscheiden können. Eine hohe Anzahl von psychologischen Studien hat gezeigt, dass Babys die muttersprachlichen und nicht-muttersprachlichen Klänge leicht unterscheiden können. Wenn sie aber
etwa zehn bis zwölf Monate alt sind, verlieren sie diese Fähigkeit. Die Sprachwahrnehmung wird dann der Fähigkeit eines Erwachsenen ähnlich. Von da an können sie nur muttersprachliche Klänge problemlos unterscheiden.

Das bedeutet, dass Allah Babys in diesem Alter die Fähigkeit verleiht, eine große Anzahl von verschiedenen Tönen aufzunehmen.

Dies verleiht dem Menschen wiederum die Fähigkeit, sich jede Sprache der Welt spielend anzueignen. Diese Fähigkeit vermindert sich jedoch mit zunehmendem Alter oder geht ganz verloren. Natürlich ist das kein vollständiger Verlust, denn wir können im späteren Leben auch noch Sprachen erlernen. Es ist nur bedeutend schwieriger. Es gibt eine zeitliche Begrenzung, in der wir unserem Baby die natürlichen und vertrauten Töne und Geräusche vorgeben können. Über diese hinaus werden alle anderen Klänge, denen wir sie nicht zu oft aussetzen, fremd oder sogar unbekannt.

Auf diesen Erkenntnissen basierend können wir sicherstellen, dass unser Kind ein festes Gespür für die Klänge und Aussprache der Worte des Qur’âns (Tadschuid) entwickelt. So wird die richtige Aussprache dieser Buchstaben, die für uns manchmal nicht leicht ist, für sie jedoch kein Problem sein, inschaAllâh. Dies trifft speziell zu, wenn die arabische Sprache nicht unsere Muttersprache ist, da viele der Buchstaben bzw. Laute des Qur’âns nicht bei uns zu Hause gesprochen werden. Damit unsere Kinder sie trotzdem hören, ist eventuell der einzige Weg das Hören des Qur’âns. Viele von uns benötigen vielleicht Hilfe darin, die Art und Weise der Qur’ânrezitation zu perfektionieren. Die Schwangerschaft ist ein hervorragender Zeitraum Tadschuîd Kurse zu besuchen, um so die Fähigkeit des Tadschuîd zu verbessern. Solche Kurse zu belegen heißt auch, dass wir regelmäßig jede Woche
zumindest ein wenig Zeit mit Allâhs Worten verbringen. Dazu hört unser Kleines menschliche Stimmen und unsere eigene Stimme bei der Rezitation des Qur’âns. Wenn wir den Qur’ân zu einem Teil unseres Lebens machen, können wir Allâhs auserwählte Sprache zu ihrer Sprache machen!

Aus dem Buch: Das Paradies zu deinen Füßen: Die Schwangerschaft aus islamischer Sicht, von Umm Hasan bint Salim, übersetzt von Sara Madani, S. 114-107.

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