Vor allem Praktizierende kennen das Problem der Konfrontation mit anderen (islamischen) Ideen innerhalb Familie. Wenn man neu anfängt zu praktizieren, dabei eine Verwandlung durchlebt und auch die Familie von diesem Wissen/Weg überzeugen möchte, dann wird man schnell abgestempelt und ständig mit Fragen angegriffen. Jedes Mal muss man sich verteidigen und selbst, wenn die Verteidigung erfolgreich war, ändert dies nichts an der Lage.
Eine andere Situation: Die Familie trifft sich und der Onkel, der Mustafa Kemal Atatürk liebt, äußert hemmungslos und mit voller Überzeugung seine Meinung. In dem Moment ist man meistens still und will keine Konfrontation. Entweder denkt man, dass eine Diskussion nichts ändert wird, oder man ist allein mit einer Idee, die innerhalb der Familie negativ behaftet ist. Alles außerhalb der „türkisch“-hanafiitischen Lehre wird mit Skepsis betrachtet.
Die Frischen unter uns sind da zu Beginn sehr offensiv, weil sie die Energie der Überzeugung spüren. Aber auch Sie werden im Laufe der Zeit gebremst und erkennen die aussichtslose Lage.
Doch wie geht man damit um?
Man sollte mit der Familie immer vorsichtig umgehen und dabei bedenken, dass die eigenen Familienmitglieder am schwersten zu überzeugen sind. Sie haben dich aufgezogen und kennen dich sehr gut. Aus diesem Grund werden Sie dich nicht so ernst nehmen.
Zunächst einmal müssen wir uns vor Augen führen, dass unsere Überzeugung unsere Waffe ist. Egal welche Idee uns gegenüber steht, nichts kann und darf gegen den Islam ankommen. Jetzt haben wir das Problem, dass unsere Eltern auch Muslime sind. Doch Ihr Islam ist nicht frei von äußeren Einflüssen. Viele Fiqh-Meinungen sind wiederum von historischen Ereignissen und politischen Interessen gesteuert. Die Frage der Schuld möchte ich hier nicht aufgreifen. Es wäre aber töricht zu sagen, dass Sie nichts dafürkönnen. Die gemütliche Lage mit der Masse zu schwimmen, seiner nationalen Bindung nicht zu gefährden und wegen Landesverrat abgestempelt zu werden. Da sind viele Faktoren, die unsere Generation nicht verstehen wird. Die meisten von uns sind hier aufgewachsen und haben eine andere (mutige) Einstellung zum Islam. Mit Aggressivität wird man aber nicht weit kommen. Hier geht es darum, sich gut vorzubereiten. Es bringt nichts, wenn man seit einer Woche den Islam praktiziert und die ganze Welt bekämpfen will. Es gibt jedoch ein Totschlagsargument gegen den Nationalismus, was dir helfen kann.
Hier ein Beispieldialog:
Du: Ich nehme den Islam nicht nur als Religion wahr, sondern als eine Idee, der mein ganzes Leben von A-Z steuert. Aus diesem Grund mache ich keine Unterschiede zwischen den Nationen der Muslime und sehe unser Land nicht als etwas Besonderes an.
Vater: Du bist als Türke geboren und Du musst stolz darauf sein. Außerdem musst du jederzeit bereit sein Dein Leben für dieses Land zu opfern.
Du: Aber was kann ich dafür, dass ich als Türke geboren bin, oder so gut aussehe? Das ist doch keine Eigenleistung. Allah swt. hat mich so erschaffen.
Vater: Genau, es ist dein Schicksal Türke zu sein.
Du: Was wäre denn, wenn ich als Amerikaner geboren wäre oder was soll dann Daniel machen, der zum Islam konvertiert ist? Soll er jetzt stolz auf sein Land sein und dieses Land in einem Kriegszustand gegen Muslime verteidigen? Habe ich dann Pech und Allah swt. ist ungerecht, weil ich keiner stolzen Nation wie der Türkei angehöre?
Vater: Dann müsst Ihr euch auf die Seite der Muslime stellen.
Du: Ok. Aber was ist, wenn die Türkei einen Krieg gegen den Irak oder Ägypten führen würde? Das sind doch auch Muslime. Wer bestimmt hier, wer auf der richtigen Seite ist? Außerdem würden das keine religiös motivierenden Kriege sein, sondern lediglich politischen und wirtschaftlichen Interessen nachgehen. Soll ich mein Leben für politische Interessen opfern, obwohl ich nur für Allah swt. sterben will?
Man muss von der Verteidigungsposition raus und die Eltern mit diesen Punkten konfrontieren. Man muss sachlich reden und die Eltern darauf hinweisen, dass man das Thema nicht öffnet, um sich zu rechtfertigen oder Sie argumentativ fertig zu machen. Wir Muslime müssen uns vor niemandem rechtfertigen. Es geht darum zu versuchen, andere zu überzeugen. Du musst deinen Eltern sagen: Schaut, ihr könnt eure Überzeugung nicht verteidigen. Wieso kommt ihr nicht aus eurer Komfortzone raus und beschäftigt euch mit diesen Themen? Wieso akzeptiert ihr meine Argumente nicht, wenn sie stärker sind als Eure? Wofür diskutieren wir, wenn die verlorene Partei mit dem Diskurs keine Änderung anstrebt?
Quelle: FAJR JUGEND (https://t.me/fajrjugend)

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