„Als Gläubiger ist mein Maßstab nicht länger Gewinn oder Verlust im materiellen Sinne. Mein Maßstab ist etwas höheres. Was ich im irdischen Sinne habe oder nicht habe, ist nur so weit relevant, inwiefern es mich meinem Ziel näherbringt oder davon entfernt: Gott. Diese Dunya (Leben) wird zu nicht mehr als dem Traum, den ich für einen Moment erlebt habe und aus dem ich dann erwacht bin. Ob der Traum gut oder schlecht für mich gewesen ist, hängt nur von meinem Zustand beim Aufwachen ab.
Und so gibt es auf der ultimativen Skala vollkommene Gerechtigkeit. Gott gibt Gutes (Nähe zu Ihm) nur guten Menschen und Schlechtes (Entfernung von Ihm) nur schlechten Menschen. Das höchste Gut ist die Nähe zu Gott, sowohl in diesem als auch im nächsten Leben. Und es sind nur „gute“ Menschen, die damit gesegnet werden. Das ist der Grund, warum der Prophet (sas) sagte:
„Wundersam ist die Angelegenheit des Gläubigen. Seine Angelegenheit in jeder Hinsicht gut für ihn. Und dies wird nur dem Gläubigen zuteil. Wenn ihm Gutes widerfährt, ist er dankbar, und dies ist gut für ihn. Und wenn ihm schlechtes zustößt, ist er geduldig, und dies ist gut für ihn.“ (Muslim)
Wie dieser Hadith (Bericht über Aussagen oder Taten des Propheten sas.) erklärt, definiert der äußere Anschein nicht, ob etwas gut oder schlecht ist. „Güte“, wie sie in diesem Hadith erklärt wird, wird durch den inneren Zustand definiert, den sie erzeugt: Geduld und Dankbarkeit – beides Manifestationen des Friedens mit Gott und der Nähe zu Ihm.
Andererseits ist das größte Unheil die Distanz zu Gott – sowohl in diesem Leben als auch im nächsten. Und es sind nur „schlechte“ Menschen, die damit bestraft werden. Was solche „distanzierten“ Menschen an Wohlstand oder Status oder Eigentum oder Ruhm haben oder nicht haben, ist eine Illusion – nicht realer oder wichtiger als diese Dinge im größten Traum oder schlimmsten Alptraum zu haben oder nicht zu haben.
Über diese Illusion sagt Allah swt.:
„Und richte nur nicht deine Augen auf das, was Wir manchen von ihnen paarweise als Nießbrauch gewähren – den Glanz des diesseitigen Lebens -, um sie darin der Versuchung auszusetzen. Die Versorgung deines Herren ist besser und beständiger.“ [20:131]
Das fortwährende Leben ist dasjenige, das beginnt, wenn wir von dieser Welt aufwachen. Und es liegt in diesem Aufwachen, dass wir begreifen,..
Dass es nur ein Traum war.
Yasmin Mogahed (2020). Fordere dein Herz zurück! (2. Auflage). Düsseldorf: IB Verlag islamische Bibliothek, S. 148-150

Hinterlasse einen Kommentar