„Nichts sollte in unserem Herzen vor Allah kommen. Und wir sollten niemals an einen Punkt gelangen, an dem wir etwas anderes als Allah so lieben, dass es unmöglich wäre, ohne es weiterzuleben. Diese Art von Liebe ist keine Liebe, sondern genau genommen Verehrung, und sie führt zu nichts außer Schmerzen.
Aber was passiert, wenn wir all dies getan haben und trotzdem durch andere verletzt wurden oder uns von ihnen Unrecht angetan wurde – was zwangsläufig passieren wird? Wie können wir das tun, was am schwersten ist? Wie können wir lernen zu vergeben? Wie können wir lernen, unsere Narben zu heilen und weiterhin gute Menschen zu sein, selbst wenn andere nicht gut zu uns sind?
In der Geschichte von Abu Bakr (ra.) findet sich ein wunderschönes Beispiel hierfür. Nachdem seine Tochter Aisha (r.) auf die schlimmste Weise verleumdet wurde, fand Abu Bakr heraus, dass der Mann, der das Gerücht in die Welt gesetzt hatte, Mistah war- ein Cousin, den Abu Bakr bis dato finanziell unterstützt hatte. Logischerweise hielt Abu Bakr von da an die Almosen für den Verleumder zurück. Schon bald darauf jedoch offenbarte Allah folgende Ayah:
„Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluss und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den armen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es (selbst) nicht, dass Allah euch vergibt? Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (24;22)
Nachdem er diese Ayah gehört hatte, beschloss Abu Bakr, dass er in der Tat Allahs Vergebung wollte und so gab er dem Mann nicht nur wieder Geld, sondern er gab ihm sogar mehr als zuvor.
Diese Art von Vergebung ist essenziell für das Herz eines Gläubigen. Über diese Gläubige sagt Allah:
„Und diejenigen, die schwerwiegende Sünden und Abscheulichkeit meiden und, wenn sie zornig sind, (doch) vergeben“ (42;37)
Die Fähigkeit, ohne weiteres zu vergeben, sollte dem Bewusstsein unserer eigenen Fehler und Missetaten gegenüber anderen getrieben werden. Aber vor allen Dingen sollte unsere Demut von der Tatsache getrieben werden, dass wir Allah an jedem einzelnen Tag unseres Lebens unrecht tun, indem wir sündigen. Wer sind wir im Vergleich zu Allah? Und trotzdem vergibt Allah, der Herr des Universums, Tag und Nacht. Wer sind wir, dass wir Vergebung verweigern? Wie können wir anderen nicht vergeben, während wir selbst auf die Vergebung Allahs hoffen? Aus diesem Grund lehrte uns der Prophet (sas.):
„Wer nicht barmherzig zu anderen ist, dem wird auch keine Barmherzigkeit von Allah entgegengebracht werden.“(Muslim) Diese Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit sollte unseren eigenen Wunsch entfachten, zu vergeben und eines Tages die Welt, die wirklich vollkommen ist, zu betreten.
Yasmin Mogahed (2020). Fordere dein Herz zurück! (2. Aufl.). IB Verlag islamische Bibliothek: Düsseldorf, S. 140-142

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