
Wa alaikum assalam wa rahmatullahi wa barakatuhu,
verzeihe uns, geehrte Schwester, für die späte Rückmeldung.
Auch wir kennen dieses Problem. Sobald wir mit dem Gebet anfangen, kommen die Gedanken nur so von allen Ecken.
Ich werde dir inshaAllah ein paar hilfreiche Tipps geben. Bevor ich damit anfange, möchte ich dich mit diesem Einstieg motivieren.
Über einen rechtschaffenen Vorfahren wurde gesagt: „ Warum wirst du blass, wenn du dich für das Gebet wäscht?“ Er antwortete: „Wehe euch, wisst ihr denn nicht, vor wem ich gleich stehen werde, wenn ich bete?“
Subhan Allah, er wurde blass, weil er sich bewusst war, was das Gebet eigentlich ist – ein Treffen mit Allah subhanahu wa ta‘ala, dem Herrn aller Welten. Das Gebet ist ein vertrauliches Gespräch zwischen dir und deinem Herrn. Wenn du das Gebet verrichtest, lässt du die Ablenkung und das Weltliche hinter dir und suchst Zuflucht bei Allah, damit du den Sinn deines Lebens erfüllst, denn wir wurden von Ihm erschaffen, um Ihm zu dienen.
Sei dir bewusst, dass du durch das Gebet mindestens 5 mal ein Treffen mit deinem Schöpfer hast. Alhamdulillah, du wendest dich ihm mit deinem ganzen Herzen zu, bittest Ihn um Rechtleitung. Du bist dankbar für all Seine Gnaden. Du erkennst deine Fehler und Sünden an und bittest Ihn um Vergebung, du bittest Ihn, den Allmächtigen um Hilfe, damit er dir deine Sorgen und Probleme nimmt und erleichtert. Erhoffe dir mit deinem Gebet Seine Zufriedenheit und Barmherzigkeit. Du verrichtest das Gebet, weil du Allah liebst und es liebst, Allah zu dienen. Du verrichtest das Gebet, weil du dich vor Seiner Strafe fürchtest und du verrichtest das Gebet mit der Hoffnung auf den Lohn und die Zufriedenheit Allahs.
Es ist vollkommen normal, dass Einflüsterungen während des Gebets und zu anderen Zeiten kommen. Sie kommen von Schaytan, der eifrig dabei ist, den Muslim in die Irre zu leiten und ihn vom Guten abzuhalten. Einer der Sahaba beschwerte sich beim Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) über Einflüsterungen während des Gebets und er sagte: „Der Schaytan kommt zwischen mich und meine Gebete und meine Rezitation und verwirrt mich dabei.“ Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte: „Dies ist ein Teufel, der Khanzab genannt wird. Wenn er dich beeinflusst, suche Zuflucht bei Allah vor ihm und spucke dreimal trocken auf deine linke Seite.“ Er (der Sahabi) sagte: „Ich tat dies und Allah nahm ihn von mir.“ (Muslim, Nr. 2203)
Frohe Botschaft, liebe Schwester!
Einige der Sahaba beschwerten sich über die Einflüsterungen, wodurch sie belästigt wurden. Daher kamen einige der Gefährten des Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) zum Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) und sagten zu ihm: „Wir finden bei uns selbst Gedanken, die zu schrecklich sind, um sie auszusprechen.“ Er sagte: „Habt ihr tatsächlich solche Gedanken?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er sagte: „Dies ist ein klares Zeichen des Iman.“ (Muslim, Nr. 132, aus dem Hadith von Abu Hurayrah)
An-Nawawi sagte in seinem Kommentar zu diesem Hadith: „Die Worte des Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) „Dies ist ein klares Zeichen des Iman“, bedeuten, dass das Empfinden dieser Einflüsterungen als etwas Schlechtes ein deutliches Zeichen von Iman ist, denn wenn man sich nicht traut, es zu äußern und man sich davor fürchtet und es nicht aussprechen mag, dann ist nur noch das Denken übrig. Dies ist das Zeichen desjenigen, der perfekten Iman erreicht hat und der frei von Zweifeln ist.“
Verwende diese Tipps, wie du das Gebet mit Konzentration verrichten kannst und somit die Belohnung erhältst in shā Allāh.
Du kannst an deinem Handy den Adhan laut anmachen oder dir eine Uhr holen, die zu den Gebetszeiten automatisch den Adhan ruft. Spreche den Adhan nach und bereite dich so auf das Gebet vor.
Bevor du Wudu nimmst, stelle dir vor, wie der rechtschaffene Vorfahre es tat, dass du gleich vor deinem Schöpfer stehst. Wenn du dein Wudu verrichtest, dann vergesse nicht, die folgenden Bittgebete danach aufzusagen. Die Bittgebete findest du auch im Hisnul Muslim.
أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَـهَ إِلاَّ اللّهُ وَحْدَهُ لَا شَريـكَ لَـهُ وَأَشْهَدُ أَنَّ مُحَمَّـداً عَبْـدُهُ وَرَسُـولُه
Ašhadu an lā ilāha il-lāl-lāhu waḥdahu lā šarīka lah, wa ašhadu anna muḥammadan ‚abduhu wa rasūluh.
(„Ich bezeuge, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah, Dem Einzigen, Der keinen Teilhaber hat; und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist.“)
اللَّهُمَّ اجْعَلْنِي مِنَ التَّوَّابِينَ وَاجْعَلْنِي مِنَ الْمُتَطَهِّرِينَ
Allāhumma ǧ’alnī mina-t-tawwābīn wa ǧ’alnī mina-l-mutaṭahhirīn.
(„Allāhumma, lass mich zu den Tawwabin (Reumütigen) und Mutatahhirin (sich Reinigenden) gehören.“)
سُبْحَانَكَ اللَّهُمَّ وَبِحَمْدِكَ، أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا أَنْتَ، أَسْتَغْفِرُكَ وَأَتُوبُ إِلَيْكَ
Subḥānaka Allāhumma wa biḥamdik, ašhadu an lā ilāha illā anta, astaġfiruka wa atūbu ilayk.
(„Subhan bist Du, Allāhumma, und Hamd sei Dir. Ich bezeuge, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Dir. Ich bitte Dich um Vergebung und wende mich Dir reumütig zu.“ )
Bete nicht einfach in irgendeiner Kleidung. Ziehe dir schöne Kleidung an, benutze den Miswak und parfümiere dich (wenn du zu Hause bist). Damit gibst du dem Gebet, welches du für Allah verrichtest, die Aufmerksamkeit und Wichtigkeit.
Suche dir, bevor du das Gebet anfängst einen ruhigen Ort zu Hause. Schließe die Tür, sodass du nur noch deine Rezitation und deine eigenen Gedanken hören kannst. Beseitige alles, was dich ablenken könnte. Benutze, wenn es dich stört, z.B. keinen Gebetsteppich mit zu vielen Mustern. Schaue auf den Boden, wo du deinen Kopf hinlegst, wenn du in den Sujud gehst. Mache Bittgebete, während du im Sujud bist. Sei dir bewusst, dass dich Allah subhanahu wa ta’ala sieht und du vor Ihm stehst. Du hast ein persönliches Treffen mit Allah! Also lege die weltlichen Angelegenheiten beiseite und sage dann erst „Allahu akbar“.
Beginne das Gebet, indem du über die Bedeutung von Surah al-Fatiha reflektierst, während du sie gerade rezitierst. Reflektiere auch über die Bedeutung der Suren, Bittgebete und Adhkar, die du im Ruku‘ und Sujud aussprichst und rezitiere mit Tartil! Du kannst Verse, die du neu auswendig gelernt hast im Gebet rezitieren. Wenn du in letzter Zeit nichts Neues auswendig gelernt haben solltest, wechsle die Suren, die du rezitierst und rezitiere nicht immer dasselbe. Höre dir selbst beim Rezitieren zu, sodass deine Gedanken bei dir sind und du nicht wieder in andere Gedanken kommst. Wenn doch, dann suche Zuflucht bei Allah, indem du die Isti’adha ausprichst. „A’udhu billahi minasch-Schaitan-ir-Radschim (= Ich nehme meine Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan).“
Gerne würde ich dir zum Abschluss zwei Bücher empfehlen, mit der Hoffnung, dass du von diesen profitieren kannst hinsichtlich des Gebets in shā Allāh:
- Wie genieße ich das Gebet – Amen Dali
- Die Geheimnisse des Gebets – Al-Imam Ibn Al-Qayyim Al-Jawziya
Möge Allah uns allen ermöglichen die Süße des Gebets zu schmecken. Amin.

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