
Salam alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu, liebe Schwester.
Möge Allah dich für deine Absicht belohnen und dir Erleichterung geben. Ich weiß aus Erfahrung, dass man manchmal in einem Dilemma steckt, wenn man sieht, wie seine Liebsten Sünden begehen. Problematisch wird es vor allem, wenn es für einen persönlich normal wird. Das Herz wird dadurch hart. Ich würde im Allgemeinen niemandem dazu raten, den Kontakt abzubrechen. Dies wäre der aller letzte Schritt, wenn jede andere Möglichkeit ausgeschöpft wurde und die jeweiligen Personen die persönlichen Grenzen – also das Unterlassen von Sünden – nicht akzeptieren und sich widersetzen.
Der erste Schritt, den du einschlagen solltest, ist, dass du sie aufmerksam auf ihre Sünden machst und betonst, dass du dich unwohl damit fühlst, wenn deine Geschwister sündigen und erst recht, wenn dies in deiner Anwesenheit passiert. Zum einen ist es wichtig, dass du ihnen klar machst, was für einen Stellenwert und welche Auswirkungen diese Sünden auf sie selber haben werden. Sie müssen sich als Muslime fragen, was sie in die Akhira vorausschicken möchten und ob diese Taten es wert sind, Allah wütend zu machen?
Wenn dies nach mehreren Versuchen nicht akzeptiert wird, solltest du den Raum verlassen, wenn diese Sünden begangen werden. Dein Herz darf nicht davon befleckt werden und wenn du merkst, dass sich etwas in deinem Herzen ins Negative verändert hat, arbeite an deiner Tazkiya an-Nafs, um dich daran zu erinnern, dass diese Dinge falsch sind. An dieser Stelle wird Shaytan versuchen dich zu beirren und dir einreden, dass es doch ganz normal sei, es alle machen und es doch keine so große Sache sei, womit man so übertreiben muss. Doch du musst stark bleiben und du darfst nicht zulassen, dass sich diese Sünden in deinem Herzen normalisieren und dein Herz beflecken.
Normalerweise sollte dies schon dazu ausreichen, dass sie aufhören, wenn du bei ihnen bist. Wenn dies trotzdem nicht funktioniert solltest du versuchen, nicht lange in ihrer Anwesenheit zu sein und den Kontakt etwas beschränken. Treffe dich noch mit ihnen, aber suche dir ausgewählte Orte aus. Beispielsweise solltest du dich dann eher bei ihnen oder dich mit ihnen draußen irgendwo treffen, denn dann kannst du jeder Zeit entscheiden, wann du gehst. Während diesem ganzen Prozess darfst du deine Dawah niemals stoppen. Deine Einladung zum Guten muss simultan mitlaufen. Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass du diese Schritte nur gehen solltest, wenn du siehst, dass sie nicht aufhören und dein Herz davon beeinflusst wird. Erst in äußersten Ausnahmesituationen solltest du den Kontakt komplett abbrechen. Jedoch muss man dies abwägen, je nachdem, um wen es sich handelt und welche Sünden oder vielleicht sogar Kufr genau begangen werden. Wie gesagt, darf deine Dawah in dieser ganzen Zeit nicht aufhören. Dein Akhlaq und deine Worte sollten ermahnend für sie sein.
Beispielsweise kannst du sie ermutigen, den richtigen Weg einzuschlagen, indem du sie zur Tawba ermutigst und ihnen von Allahs gütigen und barmherzigen Eigenschaften erzählst. An anderen Stellen wirkt die Ermahnung an die Strafe Allahs möglicherweise besser. Dawah und Dua ist das, was du dann in solch einem Fall noch tun kannst. Allah ist der Wender der Herzen. Es liegt nicht in unserer Hand, Menschen zu ändern, sondern in Allahs Hand. Daher wende dich an Allah, al-Fattah, al-Mubdi, al-Mu’id, der dir jede Möglichkeit eröffnen kann und jeden deiner Wünsche mit „Kun“ erfüllen kann. Solange du jeden Tag im Gebet „Allahu akbar“ sagst, hast du nicht das Recht an Allahs Macht und Größe zu zweifeln. Verzweifle nicht und glaube daran, dass Er früher oder später deine Bittgebete annehmen wird. Und bis deine Bittgebete angenommen werden, vertraue auf Allah, tue Gutes, arbeite an dir, lade sie zum Islam ein, ermahne sie und habe Sabr.

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