Kummerkasten

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Assalamu alaikum wa rahmetullah geehrte Schwester,

ich werde versuchen, ausführlich auf deine Nachricht einzugehen.

Zunächst möchte ich dich gern wissen lassen, dass du nicht allein mit der Situation bist – auch nicht als Schwester. Viele Geschwister trauen sich nicht, darüber zu reden oder Hilfe zu suchen – dabei ist es ein Problem, von dem nicht wenige betroffen sind. Und wer einmal den ersten Schritt gewagt hat, der kommt da auch mit Allahs Hilfe heraus mit. Keine Sorge, mit viel Willen, Entschlossenheit und kleinen Veränderungen im Leben ist das zu schaffen!

Deshalb: Hut ab an dich, dass du zu denen gehörst, die aktiv einen Schritt nach vorne wagen, denn dies ist ein Zeichen deiner Aufrichtigkeit, Allahs Wohlgefallen zu erlangen!

In den Geschichten der Sahaba finden wir Ereignisse, aus denen wir lernen und die wir auch auf uns beziehen können. Beispielsweise wenn es um Themen wie Waswas (Einflüsterungen, das dauerhafte Gedanken machen eines Themas) oder Sexualität geht.

Diese Geschichten und Ereignisse zeigen uns, dass selbst Menschen mit so einem starken Glauben nicht unbetroffen davon sind und wie wir, eben Menschen sind. 🙂

Einige davon möchte ich gerne mit dir teilen:

Abu Hurayrah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Einige der Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) kamen zu ihm und sagten: „Wir haben Gedanken, die zu schrecklich sind, um sie auszusprechen. Er sagte: Leidet ihr wirklich darunter? Sie antworteten: Ja. Er sagte: Das ist ein deutliches Zeichen des Glaubens“ (Muslim).

Sayyiduna Abu Umamah (radiyallahu ‚anhu) berichtete: „Einmal kam ein Jugendlicher zu Nabi (sallallahu ‚alayhi wa sallam) und sagte: ‚Erlaube mir, Zina zu begehen.‘ (…)

Statt ihn anzumeckern, lehrte der Prophet auf eine sehr kluge Weise die Falschheit dahinter, denn er wusste, dass er jung ist und mit seinen Gelüsten zu kämpfen hatte.

Deine Gedanken, die du hier schilderst, sind offensichtlich Waswas.

Einflüsterungen existieren seit Anbeginn der Menschheit (Beispiel: Adam a.s.) und werden bis zum Lebensende vorhanden sein. Denn genau deshalb sind wir auf der Welt: nämlich, um geprüft zu werden. Der Shaitan will uns in die Irre führen, bei dir schafft er es nicht mit „Trink ein Schluck Alkohol“ oder ähnliches, somit kommt er von der „rechten“ Seite, und macht dir Vorwürfe, du seist nicht gut genug für die Religion, oder nicht rein. Hauptsache du fühlst dich schlecht. Das will er.

Diese Gedanken, sind jedoch nicht korrekt. Wieso?

Wisse, nur weil du dich unrein fühlst, bedeutet es nicht, dass du unrein bist. Nur weil du dich nicht gut genug fühlst, heißt es nicht, dass du es bist!

Solche aufdringlichen Gedanken sind und bleiben „nur“ Gedanken. 

Eine kleine Veranschaulichung:

Stell dir mal ganz intensiv vor, wie ein Buch aus deinem Regal fällt, bis ins kleinste Detail. Es neigt sich nach vorne, weiter zum Boden, und „pat“ liegt es auf dem Fußboden.
Fällt es in der Realität herunter? Oder liegt es immer noch im Schrank.

Gedanken und Handlungen sind zwei verschiedene Dinge.

Wichtig bei Waswas ist es, sie nicht zu beachten! Wenn dir in den Sinn kommt, zu masturbieren, und du es nicht als wichtig erachtest, weil du als Person es eigentlich ja nicht willst (, sonst würdest du dir ja nicht so viele Sorgen machen!!), bedeutet, es nicht, dass du es auf die leichte Schulter nimmst, sondern den Waswas keine Beachtung schenken möchtest.

Somit widmest du deine Aufmerksamkeit nicht dem Shaitan. Und dies ist ein großer Schritt! Denn je mehr wir den Gedanken Aufmerksamkeit schenken, desto mehr sieht unser Gehirn es als eine Wichtigkeit und es bleibt präsent.

Je weniger wir damit Emotionales (Angst, Sorge etc.) verbinden, desto weniger wird es als wichtig angesehen und dein Kopf sieht keinen Grund, die Bilder weiter auftauchen zu lassen.

Also, sehr wichtig: die negativen Gedanken wie eine Wolke an dir ziehen lassen, okay? Das ist ein Kampf! Es ist zwar nicht so einfach, wie gesagt, das weiß ich, aber mit der Zeit wird es einfacher und weniger in shaa Allah. Das ist die Natur der aufdringlichen Gedanken.

Vergiss nicht, jeder Kampf mit den Gedanken, sie nicht ernst zu nehmen, sie locker zu sehen (denn es sind nur Gedanken) ist ein Jihad, wofür du belohnt wirst!

Okay, jetzt kommen wir zu dem Verlangen, zu sprechen, und der aktiven Handlung der Selbstbefriedigung entgegenzukommen.

Hierzu möchte ich dir einige Tipps und genaue Handlungsbeispiele auf dem Weg geben.

Was du in dein Leben implementierst, ist natürlich dir überlassen. 🙂

Masturbation aktiv entgegenwirken:

1. Fasse die Absicht hier und jetzt damit abzuschließen. Stelle dich in Richtung Qiblah, öffne deine Hände, bitte Allah um Hilfe und bitte um Vergebung. Das ist der erste Schritt, einen Strich darunter zu ziehen und dich bewusst dazu zu entscheiden, diese Sache zu unterlassen.

2. Klarheit. Bestimmt hast du viele Dinge, die in deinem Kopf schwirren. Bitte nimm dir ein Stift und Papier. Wir brauchen die Fakten schwarz auf weiß, um darüber zu reflektieren:

Führe ein Journal, um deine Trigger zu finden.

Führe Tagebuch darüber:

– wann du Lust auf Pornos hast und wann du diesem Drang nachgibst.

– schreibe auf, wie du dich fühlst, wo du bist, welche Tageszeit ist und welche anderen Faktoren dazu beigetragen haben, dass du zurückfällst. Schreibe auf, wie du dich danach gefühlt hast, ob du dich geschämt oder schuldig gefühlt hast. Nun markiere deine Trigger, Auslöser.

3. ELIMINIERE alle TRIGGER!!!

Das ist mit der wichtigste Punkt überhaupt! Sei es auch Social Media, bestimmte Seiten, alles, was dich zur Versuchung bringt, ausschalten oder minimieren und ersetzen!

4.Erstelle eine Pro/Contra-Liste über Selbstbefriedigung.

Du wirst mehr Negatives als Positives finden. So wirst du dir deiner Verhaltensweisen bewusst. Liste alles auf, das du als positiv empfindest. Liste auch alles Negative an Pornos auf.

Beispiele für Negativ: wissenschaftliche Belege: soziales Unbehagen, Stress und Stimmungsschwankungen, Impotenz, Erektionsstörungen, geringes Selbstwertgefühl, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depressionen, keine Konzentration auf wichtige Dinge etc.

-Was wäre, wenn der Todesengel dich in dem Zustand sieht, etc.

5. Setze dir Ziele, um dich auf etwas Positives zu konzentrieren.

Ziele helfen dir, weniger Pornos zu sehen. Suche eine Fähigkeit, die du gerne lernen würdest, ein Hobby, mit dem du beginnen willst oder ein persönliches Ziel, auf das du hinarbeiten willst.

Ersetze die Trigger durch soziale Umgebung (Schwesterntreffs, nützliche Videos, mehr Ibadat, spazieren, Sport, sich in neue Themen vertiefen, Bücher lesen, etc.)

Das wird dir ungemein helfen, deine Gedanken mit neuen Inhalten zu füllen, da du permanent mit neuen Dingen beschäftigt sein wirst.

6. Faste, einige Tage die Woche (oder wie es dir recht ist), denn es minimiert die Gelüste!

7. Heiraten ist eine Option, um die Gelüste im erlaubten zu befriedigen. Deshalb empfiehlt der Prophet (as) gerade den jungen Leuten, zu heiraten, da sie am stärksten von den Gelüsten betroffen sind.

Das sind einige Tipps, die schon vielen dabei geholfen haben, aus der Situation herauszukommen. Es braucht Zeit, aber du schaffst das durch deine Entschlossenheit – bei Allah geht nichts verloren! Bitte Ihn immer wieder, glaube mir du wirst das packen in shaa Allah!

Eine Therapie kann dir auch helfen da herauszukommen. Die muslimischen Therapeutinnen sehen es nicht als Tabu an, niemand wird dich schief angucken in einer Therapiesitzung. Glaub mir. Dafür sind sie da.

Wenn das nicht klappt, gibt es super Selbsthilfebücher, die dich auf dem Weg begleiten können.

Schau dich um in shaa Allah. Vielleicht reichen auch nur ein paar Veränderungen in deinem Leben schon aus.

Möge Allah dir es erleichtern, Schwesterherz!

Assalamu alaikum.

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