Kummerkasten

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Wa aleykum selam wa rahmatullahi wa barakatuh liebe Schwester!
Vielen Dank für deine Nachricht! Verzeih uns bitte die späte Rückmeldung. Da Iman-Probleme einen sehr herunterziehen können, möchte ich zunächst folgenden Hadith mit dir teilen:

Es kamen einige Gefährten des Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) zum Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) und sagten zu ihm: „Wir finden bei uns selbst Gedanken, die zu schrecklich sind, um sie auszusprechen.“ Er sagte: „Habt ihr tatsächlich solche Gedanken?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er sagte: „Dies ist ein klares Zeichen des Iman.“ (Muslim, Nr. 132, aus dem Hadith von Abu Hurayrah)


Daher sei dir dessen bewusst, dass es normal ist, Höhen und Tiefen zu haben und dass nicht einmal die Sahaba davon verschont blieben. Du hast ein klares Zeichen deines Imans! Möge Allah dich für deine Bemühungen reichlich belohnen!
Es ist wirklich eine sehr große Gnade, dass du schon in jungen Jahren Wert auf deine Religion und das Praktizieren gelegt hast! Und du kannst auf dich sehr stolz sein. Es ist bewundernswert, dass du dich so bemühst, um alles zu unterlassen, was Allahs missfallen würde, Allahumma barik!
Da du diese Erkenntnis hast, musst du nun herausfinden, was die Ursache(n) dahinter sind. Ich habe daher drei Fragen bzw. Punkte, auf die ich eingehen möchte. Du sagtest, dass du das Gefühl hast, etwas zu verpassen, wenn du dein Umfeld siehst. Jedoch heißt es nicht, dass wir als Muslime unser Leben nur mit dem Gebet und dem Quran verbringen sollen. Sehr viele Dinge sind Ibadat, SubhanAllah!
Meine Frage wäre nun: was vermisst du, was die anderen haben? Wenn es um das schöne Kleiden oder das Schminken geht, mache es im Halal-Rahmen. Wenn ihr unter Schwestern seid, auch in der Moschee, macht euch schön. Zieht schöne Kleider an, schminkt euch. Wenn ihr euch zuhause trefft, macht euch die Haare. Wenn es um Aktivitäten geht, gibt es auch für Frauen mit Hijab viel Auswahl. Ihr könnt Bowlen gehen, Tretboot fahren, am See picknicken, Lasertag oder Paintball spielen gehen. Es gibt wirklich so viel, was man machen kann! Jedoch sind es manchmal die Freunde, die einen vielleicht unbewusst ausschließen.

Das führt mich zu meiner zweiten Frage: wie ist dein Umfeld? Wie sind deine Freunde? Ich möchte dir ein persönliches Beispiel von mir geben. Meine Schulfreundinnen sind muslimisch. Wir waren etwa 10 Jahre lang befreundet. Ich habe jedoch irgendwann angefangen den Islam zu praktizieren, einige Dinge zu unterlassen und den Hijab zu tragen. Dann habe ich mich sehr häufig fehl am Platz gefühlt, weil meine Freundinnen lieber in die Shisha-Bar gehen wollten oder andere Dinge machen wollten, die nicht vereinbar sind mit dem Islam. Man gab mir obendrein noch die Schuld dafür, wenn etwas nicht klappte und sagte lachend, dass ich innerlich Dua gemacht hätte, damit es nicht klappt oder bezeichnete mich als Spaßbremse. Ich habe jahrelang versucht die Balance zu halten, bis es irgendwann zu viel wurde, weil ich merkte, dass ein einziger Tag mit ihnen mindestens 6 Monate Iman zerstörte.

Deshalb habe ich mir dieselbe Frage bei dir gestellt. Wird auf dich Rücksicht genommen und deine Lebensweise respektiert? Unternehmt ihr zusammen auch mal „Halal“-Aktivitäten? Meine letzte Frage wäre, ob das „Verpassen“ vom Leben wirklich der einzige Grund ist. Oder gibt es noch andere Dinge, die deinen Iman beeinflussen? Hast du einen Ausgleich bzw. eine Balance im Leben? Beschäftigst du dich weiterhin mit Allah und dem Wissen über den Islam oder gibt es in diesem Bereich eine Stagnation?
In deiner Beziehung zu Allah muss immer die Balance zwischen Hoffnung, Furcht und Liebe aufrechterhalten werden. Du musst auf der einen Seite die Liebe und die Hoffnung spüren und auf der anderen Seite die Ehrfurcht gegenüber Allah. Hast du genau diese Balance oder fehlt es an etwas? 

Darüber hinaus möchte ich dich bitten, nachzudenken, wieso du überhaupt das alles machst. Du schminkst dich nicht stark, trägst den Hijab etc. Fändest du es besser, wenn du das tun würdest? Das ist eine Gnade, Rechtleitung und Manifestation der Liebe Allahs zu dir, da Er dich an diesen Sachen festhalten lässt. Vielleicht möchtest du Mal in dich gehen und über die „Basics“ nachdenken: wieso lebe ich überhaupt? Was soll das Ganze? Was passiert nach dem Tod? Und wenn du mal guckst, findest du ganzheitlich sinnhafte Antworten nur im Quran. Du siehst, die Welt dreht sich, die Sonne scheint jeden Tag, du kannst mitverfolgen, wie eine Pflanze langsam wächst. Wer veranlasst das alles? Allah. Alles um und in uns schreit förmlich nach Allah. Daher möchte ich dich bitten, deine Religion nicht unbedingt an einem inneren Gefühl festzumachen.
Ein Gelehrte sagte einst sinngemäß: „Ich betete 20 Jahre lang widerwillig, und habe daraufhin 20 Jahre lang die Süße gespürt.“ Und dass du deine Religion nicht verlieren möchtest und nach Hilfe suchst, ist ein Beweis für deine Religiosität. Vertraue Allah und halte weiterhin an Seinem Seil fest. Lies ein Buch über Ihn, damit du Ihn besser kennenlernst. Er wird dich nicht hängen lassen. 

Zuletzt möchte ich dich daran erinnern, nicht die Hoffnung aufzugeben und Allah darum zu bitten, dir einen Ausweg zu geben und deinen Iman zu stärken, denn

Er ist al-Fattah,

ar-Razzaq,

al-Mujib!

Er ist al-Wadud.

Allah sagt im edlen Quran: „Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft.“ (2:186)

Seine Liebe umfasst alles und Er wird dich nicht im Stich lassen. Im Gegenteil – wenn du zu Ihm mit einem Schritt entgegenkommst, kommt Er dir eilend zehn Schritte entgegen! Da meine Antwort etwas spekulativ war bzw. ich in einem Gespräch noch Gegenfragen gestellt hätte, um dir genauer antworten zu können und dir besser helfen zu können, hoffe ich, dass du uns nochmals schreibst, damit wir wirklich ausgiebig darüber reden können. Wir sind für dich da.

Diese Phase wird vorübergehen. Möge Allah es dir erleichtern. Möge Allah deinen Glauben felsenfest machen und alle Einflüsterungen und Zweifel aus deinem Herzen entfernen. Möge Allah dich in Jannah zur Nachbarin des Propheten (sallallahu alayhi wasallam machen).

Salam alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu, meine edle Schwester!

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