

Wa alaykum salam wa rahmatullahi wa barakatuhu, liebe Schwester. Barak Allahu feeki für dein schönes Bittgebet. Amin ajmain!
Du möchtest, Allahumma barik, dein ganzes Leben nach dem Islam ausrichten und sagst daher auch selber, dass du viele Baustellen hast. Möge Allah es dir erleichtern. Bevor ich jedoch auf deine Anliegen eingehe, möchte ich dich darauf aufmerksam machen, dass du kleine, aber regelmäßige und konstante Schritte machen musst, damit du von den ganzen Veränderungen nicht erschlagen wirst. Denn mit der Veränderung kommt auch erstmal Gegenwind von der Familie und von Bekannten, da sie bisher etwas anderes von einem gewöhnt sind und dieser Gegenwind macht die Aneignung von Angewohnheiten noch schwieriger.
Mache daher kleine Schritte und versuche nicht dein ganzes Leben vom einen auf den anderen Tag umzukrempeln. Bis man auch die Süße dieser Taten erreicht, kann eine Zeit vergehen und es ist daher noch wichtiger, regelmäßige Schritte zu machen, damit eine konstante Verbesserung und Entwicklung stattfinden kann und dein Herz so näher ab diese Süße kommen kann. Wenn wir unsere Muskeln trainieren wollen, gehen wir auch nicht nur einmal ins Fitnessstudio und trainieren mehrere Stunden, sondern wir müssen regelmäßig trainieren, um Ergebnisse sehen und fühlen zu können. Genau so muss auch das Herz, der Verstand und die Disziplin trainiert werden.
Dein erstes Anliegen war das Wissen und woher man es sich aneignen soll. Es ist sehr schön, wenn du dich gerne mit Büchern auseinandersetzt und liest. An dieser Stelle wäre es wichtig für uns zu wissen, welche Bücher du bisher gelesen hast und welche Unterrichte du bisher besucht hast. Wie viel Wissen hast du über Aqidah? Wie viel Wissen hast du über die Sira (die Biographie des Propheten) und den Quran? Wie viel Quran liest du pro Tag?
Kannst du den Quran mit Tartil rezitieren? Hast du einen regelmäßigen Fiqh- Unterricht? Auf YouTube hast du ebenfalls eine große Auswahl an Vorträgen, die einen gut motivieren und Impulse geben.
Jedoch sind Aqidah, Quran, Dhikr, Fiqh etc. die Puzzleteile, die uns festigen, unser Herz reinigen und heilen und von den Fallen des Shaytans fernhalten. Des Weiteren sind wir Laien, die keinen Überblick über Ahadith und Rechtsurteile haben. Daher ist es wichtig, diszipliniert und regelmäßig an derartigen Unterrichten teilzunehmen und einen Lehrer oder eine Lehrerin zu haben, an denen man sich orientiert. Deshalb ist unsere Empfehlung, dir zunächst einen Lehrer/Lehrerin zu suchen, der dich begleiten und dir Ratschläge bei deiner Entwicklung geben kann und so nach und nach die oben genannten Themen zu erlernen.
Was den Wissenserwerb angeht, haben wir im Folgenden bereits Empfehlungen ausgesprochen: https://asrjugend.com/ 2023/02/14/kummerkasten-2/
Im Arbeits- und Uni-Alltag mit wenigen und kurzen Pausen kann man sehr gestresst sein, vor allem, wenn man dann von einem Hörsaal zum anderen rennen muss zum Beispiel und dazwischen noch sein Gebet irgendwo verrichten möchte. Du solltest dir vorher einplanen, wo du beten wirst, wenn du das Haus verlässt.
Wichtiger ist jedoch, dass dudein Mindset änderst und dir aktiv vorstellen musst, dass du zwischen deinen Termin jetzt deinen wichtigsten Termin hast: dein Treffen mit Allah. Mit dem Heben deiner Hände und mit dem Aussprechen des Takbir schiebst du die Dunya hinter dich und lässt nur noch Platz für Allah. Wichtig ist, dass wenn man trotzdem Einflüsterungen hat – egal in welcher Situation -, dass man vom Guten ausgeht, sich nicht vom Shaytan beirren lässt und weitermacht. Solange du nichts absichtlich falsch machst und versuchst, alles richtig zu machen und dich zu konzentrieren, gibt es in shaa Allah kein Problem.
Wenn du auf der Arbeit beten möchtest, sprich deinen Vorgesetzten offen drauf an und sage, dass du deine Pflichtgebete verrichten möchtest oder wenn du Pause hast, suche dir einen ruhigen Platz und verrichte dein Gebet. Man muss hier die erste Hürde überwinden und erstmal den ersten Schritt wagen. Du darfst aber nicht erst etwas fürchten und es deswegen dann gar nicht erst versuchen.
Mache den ersten Schritt und wenn Erschwernisse auftreten, kann man andere Lösungen finden in shaa Allah.
Lies dir in shaa Allah ebenfalls unseren Beitrag zu Einflüsterungen im Gebet durch: https://asrjugend.com/2023/03/22/ kummerkasten-5/
Dein nächstes Anliegen war der Hijab und vor allem, dass du alles richtig machen möchtest. Deshalb habe ich vorher erwähnt, dass du dringend kleine Schritte machen sollst. Denn, wie oben erwähnt, gibt es viele Faktoren, die dich herunterziehen können und am Ende größeren Schaden anrichten könnten: 1. die Veränderung selber, die einem bzw. dem Nafs schwerfällt, 2. der Shaytan mit seinen Einflüsterungen und 3. das Umfeld, das die Veränderung als beispielsweise zu stark oder zu extrem wahrnimmt. Mache gesunde Schritte. Fange z.B. erstmal mit etwas Kleinem an. Heutzutage ist es modisch, sich auch etwas breiter anzuziehen, wie z.B. mit Zweiteilern mit Pullover und breiter Hose. Auch Röcke und Kleider sind total normal im Sommer und „in“. Deshalb kannst du erstmal anfangen, deinen Körper an breite Kleidung zu gewöhnen. Danach kannst du z.B. dein Make-Up für draußen weglassen und den Hijab ab und zu auf dem Weg zur Moschee oder vor allem im Ramadan tragen. Es gibt heutzutage sehr viel Auswahl, die sehr bedeckt ist, aber trotzdem schön und edel aussieht. Damit hätte man für das Erste auch einen Kompromiss mit dem Umfeld. Wichtig ist, dich selber und dein Umfeld nicht mit zu schlagartigen und gegensätzlichen Entscheidungen zu überfordern. Warte auch nicht ab, dass du vorher einen bestimmten Punkt erreichen musst oder „perfekt“ sein musst, bevor du mit dem Hijab beginnst. Denn wir sind Menschen und wir werden immer Fehler machen, die wir danach bereuen müssen. Jedoch sind die Schritte zu Allah und die Anstrengung, näher zu Allah zu kommen essentiell.
Zum Hijab kannst du dir ebenfalls folgende Beiträge durchlesen: https://asrjugend.com/2023/05/07/kummerkasten-19/ https://asrjugend.com/2023/05/07/2628/
Dein letztes Anliegen handelte vom Heiraten und vom Kennenlernen. Du bist noch relativ jung, Allahumma barik, und du entwickelst dich gerade weiter. Du bildest dich und baust dein Leben und dein Wissen gerade auf. Egal, was Allah für dich geschrieben hat, du musst dich in jeder Phase deines Lebens weiterbilden, ob es nun etwas weniger oder mehr Wissen ist, ist egal. Es sollte aber zu keinem Stillstand kommen. Deshalb ist es wichtig, dass man nicht wie verrückt anfängt, nach einem Mann zu suchen oder sich komplett der Kennenlernphase hinzugeben, sodass die Beziehung zu Allah und die Ibadat darunter leiden. Bei jedem ist das Kennenlernen individuell, weshalb es keine genaue Anleitung zum Kennenlernen gibt. Normalerweise geht der potentielle Ehemann zum Vater und bittet erstmal um Erlaubnis, dich kennenzulernen, wonach ihr eure Kennenlernzeit in Anwesenheit von deinem Mahram habt. Wie oft und wo, bleibt jedem selbst überlassen.
Wenn jemand kommt, der dich ernsthaft kennenlernen möchte und deine Familie sich weigert, dich darin zu unterstützen, ihn halal kennenzulernen, kannst du die Treffen auch mit einem vertrauenswürdigen Ehepaar organisieren. Jedoch solltest du dies nochmal mit einem Shaykh genau abklären, indem du deine Situation detailliert schilderst, damit man dir einen auf dich abgestimmten Ratschlag geben kann. Wann ihr dann heiratet und wie ihr alles organisiert, bleibt euch überlassen. Eine andere Sache ist, dass du nicht blind mit deinen Emotionen heiraten sollst oder dich von anderen Äußerlichkeiten blenden lässt. Die Chemie zwischen euch muss stimmen, euer Humor muss passen, sein Aussehen soll dir gefallen, aber frage dich auch: Wäre er ein guter Vater für meine Kinder? Wird er mich auch noch gut behandeln, wenn er wütend wird oder ich einen Fehler mache? Welchen Mehrwert gibt er mir? Ergänzen wir uns? Würde er ein Team mit mir bilden? Dazu solltest du die Ratschläge deiner Eltern und von Geschwistern berücksichtigen, unter der Bedingung, dass sie islamische und logische Ratschläge geben. Außerdem hört man sich in der Umgebung um den potentiellen Ehepartner um, nicht unbedingt bei seinen besten Freunden, sondern auch im breiteren Kreis. Was für einen Ruf hat er? Wie verhält er sich in der Öffentlichkeit? Wie haben ihn die Leute kennengelernt, die mit ihm gereist sind und mit ihm übernachtet haben? Wie geht er mit Geld um? Wie geht er mit seiner Familie und mit seiner Mutter/Tante/Schwester/Oma um? All diese Fragen können dir in etwa eine Vorstellung darüber geben, wie deine Ehe mit ihm aussehen könnte. Allah weiß es am besten. In shaa Allah konnten wir dir etwas behilflich sein, edle Schwester. Möge Allah dir einen rechtschaffenen Ehemann und eine gesegnete Ehe mit vielen gesunden und rechtschaffenen Kindern gewähren.
Vergiss eine Sache nicht: es ist niemals zu spät, den Islam zu lernen und zu versuchen, Allah näher zu kommen. Es gibt Menschen, die erst auf ihrem Sterbebett den Islam annehmen oder erst im hohen Alter anfangen, zu praktizieren. Möge Allah von ihnen annehmen. Im Endeffekt wird unsere Absicht uns verraten und dies geschieht durch unsere Taten. Möge Allah uns ein gutes Ende geben und möge Allah an Yawm al-Qiyama mit uns barmherzig sein. Salam alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu, liebe Schwester.


Hinterlasse einen Kommentar