
Wa alaykum salam wa rahmatullahi wa barakatuhu, meine edle Schwester. Verzeihe uns bitte die verspätete Antwort.
Möge Allah dich belohnen und segnen und dir Erleichterung geben. Amin. Du hast sehr viel erlebt und man hat sich sehr viel und sehr lange auf dich verlassen bzw. die Verantwortung auf dich übertragen.
Der erste wichtige Schritt, den du einschlagen musst, ist, nach vorne zu schauen. Ich weiß, dass sich das erstmal so anhört, als solltest du einfach deine Probleme unter den Teppich kehren. Damit meine ich jedoch, dass du nicht in der Vergangenheit leben darfst, denn diese schlimme Zeit ist Alhamdulillah vorbei und sie hat dich sogar zu Allah geführt. Es wird deiner Seele und irgendwann auch deinem Körper auf Dauer schaden, wenn du diesen Gedanken einen Raum gibst. Dazu gehört, dass du dir Gedanken machst, wie du deine Zeit füllst. Wie aktiv bist du für Allah? Wie viel Prozent deines Tages verbringst du mit Dhikr? Dhikr ist nicht nur „Subhanallah, Alhamdulillah, Allahu Akbar“. Zu Dhikr gehören auch das Rezitieren des Quran, das Nachtgebet und sonstige freiwillige Taten. Jeder von uns hat ein Rohr, durch das der Shaytan in unser Herz einflüstert und der Dhikr ist das Schwert, das diese Einflüsterungen zu unserem Herzen unterbricht. Vor allem das Nachtgebet ist dazu da, um seine Lasten von den Schultern herunterzubrechen, denn bevor die Sahaba mit der Dawah beginnen sollten, als der Islam noch „neu“ war, war es für sie ein Jahr lang Pflicht, das Nachtgebet zu verrichten. Dies hat sie auf die Probleme und Schwierigkeiten der Dawah vorbereitet.
Des Weiteren würde ich gerne wissen, ob du regelmäßig mal „Me-Time“ hast. Hast du mal Zeit für dich selber, wo du abschalten kannst, auch wenn es nur für ein bis zwei Stunden ist, wo du deine Gedanken sortieren kannst und mal nicht gebraucht wirst? Wenn nicht, dann müsst ihr euch in der Familie so organisieren, dass du mal eine Auszeit bekommen kannst. Me-Time kann alles sein – alles, was dich ein wenig zur Ruhe kommen lässt. Das heißt, du musst anfangen endlich etwas für dich selber zu tun, um dich gut zu fühlen. Ob es nun z.B.
neue Kleidung, eine neue Frisur, Wellness, Spaziergänge, ein neues Hobby, egal was. Denn dein Kind braucht eine gesunde und glückliche Mama. Dazu kann auch gehören, dass du zu deiner Familie einen gesunden Abstand einrichtest, damit ihr als Mutter, Vater und Kind eure gemeinsame Bindung stärken könnt.
Eine andere Sache ist, dass du in Erwägung ziehen solltest, eine Therapie in Anspruch zu nehmen. @islamundpsychologie auf Instagram hat eine Reihe von Beratern und Therapeuten, die auch Online-Sitzungen anbieten. Wenn dir das nicht zusagt, kannst du natürlich bei dir in der Nähe nach jemandem suchen. Unterschätze eine Therapie nicht und schäme dich erst recht nicht. Wenn du kannst, empfehle ich dir auch, dass du mal mit deinen Brüdern über eure Kindheit redest. Ihre Erfahrungen waren vielleicht anders oder vielleicht waren sie selber total überfordert. Ich habe Jahre nachdem wir in der Familie ein Trauma erlebt haben, mit meinem Bruder darüber geredet und es hat mir eine ganz andere Sicht gegeben und mir ein Stück weit geholfen mit meiner Vergangenheit Frieden zu schließen.
Zuletzt möchte ich dir sagen, dass du als Mutter auch nicht alleine mit diesem Problem bist. Du hast große und tiefe Wunden, die heilen müssen. Und du hast sehr schlimme Dinge erlebt, die dich aber Alhamdulillah stärker gemacht haben. Nicht einmal die Mütter der Propheten blieben vor Prüfungen verschont, SubhanAllah. Aber genau das ist jetzt deine Prüfung und dein Jihad, der dich vielleicht, wie du sagst, wahnsinnig macht, aber jetzt musst du dich darauf konzentrieren, dass du eine glückliche und gesunde Mama wirst. Sei für dein Kind die Mama, die du dir gewünscht hättest. Stelle dir einmal vor, was für Früchte in Zukunft auf dich warten, weil du versuchst, das Bestmögliche für dein Kind zu tun. Du bist 24/7 für dein Kind da. Du machst als Mutter und Ehefrau einen Vollzeitjob im Bereitschaftsdienst, jeden Tag 24 Stunden die ganze Woche ohne Pause und dein Lohn wird in shaa Allah dein Kind sein, das irgendwann als Erwachsener vor dir steht und von dir erzogen wurde!
Wir kennen ja alle, dass Jannah unter den Füßen der Mutter ist. Wieso sagt Allah „unter den Füßen der Mütter“ und nicht „unter den Füßen der Frauen“? Du bist von Allah so nah an Jannah gestellt worden. Du brauchst keinen Applaus von anderen Menschen. Allah, der Allmächtige, unser Schöpfer, erkennt deinen Jihad schon an! Sei die Mutter, die du dir gewünscht hättest und sei die beste Version deines Selbst. Du wirst mit Allahs Erlaubnis diese Gedanken besiegen und es wird dir in shaa Allah besser gehen. Du bist in unseren Bittgebeten in shaa Allah. Wenn du weitere Fragen hast, melde dich gerne nochmals. Wir können auch gerne privat schreiben.
Fi amanillah,
Salam alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu, meine edle Schwester.

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