
Uaaleikum assalam warahmatu Allahi wabarakatu, meine edle Schwester,
ich habe eben deine Nachricht aus dem Asr-Jugend Kummerkasten erhalten und möchte mich einmal kurz bei dir vorstellen. Ich bin Shaymaa, ausgebildete Trainerin und habe einige Jahre Erfahrung im Bereich des Coachens sammeln dürfen. Aktuell coache ich nicht mehr, da ich Mutter geworden bin, alhamdulilah.
Möge Allah dir deine Situation erleichtern. Mit deinen Bemühungen bist du auf dem besten Weg!
Wenn ein Mensch an seinen Gewohnheiten arbeiten möchte, braucht es einige Zeit. Und damit meine ich nicht einige Wochen, sondern mehrere Jahre bis Jahrzehnte. Grade im Fitnessbereich ist es so schwer, dem Ganzen eine gewisse Geduld zu geben, weil man überhaupt nicht mehr einschätzen kann, welches Tempo überhaupt das Normale ist.
Wir hören oder lesen oft von Menschen, die von jetzt auf gleich alles umgestellt haben und die in einer radikalen Form leben (kein Zucker, vegan, usw.) aber das entspricht überhaupt nicht der Realität. Mein größter Schock, als ich in die Fitnessszene eingestiegen bin, war, wie katastrophal die tatsächliche Ernährung unserer sogenannten Fitnessvorbilder sind. In meinem Studium und während meiner Arbeitszeit in den verschiedenen Studios konnte ich die ganzen Fitnessvorbilder beobachten. Klar ernähren sie sich etwas bewusster, aber lange nicht so wie Außenstehende immer von ihnen glauben. Genau dasselbe ist mir auch passiert. Einige dachten, ich kann mich auch immer an diese ganzen Regeln halten. Die Tatsache sieht aber anders aus.
Also das ist mein erster Punkt: Die richtigen Ziele setzen.
Ziel ist es, nicht komplett auf Süßes zu verzichten, sondern einen gesunden Umgang damit zu haben. Was ein gesundes Maß ist, musst du für dich herausfinden. Das hängt stark davon ab, wie stark du der Versuchung ausgesetzt bist und was du denkst, was nicht allzu großen Schaden auf deinen Körper nimmt. Zucker ist beispielsweise definitiv nicht gesund, aber es ist auch nicht so schlimm, dass du davon gar nichts essen dürftest. Zucker bzw. Süßes hat oft auch sozialen Aspekt. Ich esse zum Beispiel bei Besuch gerne ihre selbstgemachten Kuchen, egal wie viel Zucker, als Geste der Höflichkeit. Aber man muss dann nicht unbedingt auch noch zu den Gummibärchen und den Chips und den Schokoriegeln daneben greifen. Einfach ein gesundes Maß und das musst du für dich entdecken und einschätzen.
Punkt 2 ist: Setzte dir kleine Ziele
Die Zeit sickert durch unsere Hände und alles läuft schnell und wird auch immer schneller. Manche Sachen brauchen aber ihre Zeit und das ist sehr schwer für uns zu begreifen. Wir denken oft, dass wir uns realistische oder langsame Ziele setzen und sind dabei immer noch viel zu schnell.
Ich arbeite seit JAHREN daran, meine Süßigkeiten zu reduzieren. Es ist schon besser geworden als früher, aber ich bin noch nicht da, wo ich hinmöchte. Das ist aber auch okay so.
Wenn ich sagen würde „von jetzt auf gleich keine Süßigkeiten mehr“ wäre das tooooo_ much für meinenNafs. Die macht das ein paar Wochen mit, aber dann gehts nicht mehr. Stattdessen ist es besser beispielsweise zu sagen „ab 18 Uhr keine mehr“ oder „ein Tag ja ein Tag nein“ oder „ich vermeide Chips erstmal und der Rest ist erstmal noch in Ordnung“ usw. Also ein kleines Ziel setzten was nicht zu anstrengend für deinen Nafs ist und realistisch auch umsetzbar ist.
Punkt 3 ist: setze dir nicht zu viele Ziele auf einmal
Konzentriere dich auf wenige Punkte. Arbeite nicht an Sport, Ernährung, Schlaf, Bewegung usw. gleichzeitig. In der Gesellschaft gibt es so viele, die ein optimales Leben (auf Fitness bezogen) vormachen, was in echt bei den meisten gar nicht Mal so ist. Es sieht dann so leicht aus, was es in echt aber auch nicht ist. Und dann denkt man sich, ich fange jetzt mit meiner neuen Routine an, wo man plötzlich früh aufwacht, Sport macht dies und das, „der perfekte Alltag“. Nach einigen Wochen hat man keine Energie mehr, ist erschöpft und fällt komplett zurück in das alte Muster.
Veränderung kostet Energie, deshalb müssen wir diese Energie bewusst einsetzen und auf wenige kleine Ziele fokussieren. Das soll alles in deinem Alltag nebenbei funktionieren. Du kannst dir gerne für die ersten Wochen einen Tracker machen mit dem einen Ziel, was du dir gesetzt hast, bis es sitzt. Fokussiere dich komplett erstmal nur darauf und nutze die restliche Energie für die normalen Alltagsdinge.
Punkt 4: Dieses eine Ziel bzw. diese eine neue Gewohnheit, an der du arbeitest, soll möglichst effektiv sein.
Das heißt das, was dich deinem Ziel am nächsten bringt. Wenn du abnehmen willst, macht es Sinn (trifft natürlich nicht immer zu), seine Alltagsbewegung zu erhöhen. Es ist nämlich sehr schwer, für den Nafs von jetzt auf gleich viele Kalorien zu sparen. Es ist aber leichter, wenn man sagt „okay 3x die Woche mache ich jetzt eine Ausdauer-Einheit“ oder „gehe täglich ca. 40min spazieren“ oder oder oder.Vielleicht hast du in deiner Nähe einen Wald oder einen Fluss, neben dem man laufen kann: wenn ja, kannst du für den Anfang eine halbe Stunde lang laufen, im Sinne von gehen/spazieren – täglich, oder jeden zweiten Tag, oder drei Mal die Woche. Aber setze dir das Ziel, dass wenn du diese eine Routine gut kannst, dass du entweder die Menge erhöhst oder die Zeit.
Ein Beispiel für eine neue Gewohnheit könnte zum Beispiel auch sein dich mit Freundinnen nicht mehr in einem Cafe oder zuhause zu treffen, sondern immer zum Spazieren :).Du glaubst nicht wie viel man, ohne zu merken, beim Quatschen laufen kann.
Das wäre aber nicht die erste Gewohnheit, die ich dir empfehlen würde, daran zu arbeiten. An erster Stelle würde ich tatsächlich bei dir probieren 3x die Woche eine Ausdauereinheit zu machen und wenn das über mehrere Monate sitzt, erst an der nächsten Gewohnheit zu arbeiten. Du merkst, wenn der Zeitpunkt da ist, dass diese neue Gewohnheit zu einer festen Gewohnheit wurde.
Dieser Tipp gilt natürlich nur, wenn du sehr wenig Bewegung im Alltag hast. Wenn du dich viel bewegst, suche dir den effektivsten Punkt, um deine Kalorien zu reduzieren. Ob es Softdrinks sind die komplett wegfallen (oder zumindest zuhause) Süßigkeiten oder oder oder. Gut wäre es auch, den Einkauf von Süßigkeiten zu reduzieren – nicht alles, sondern dass du einige Dinge Mal nicht kaufst: wenn man nichts Süßes zuhause hat, greift man logischerweise auch nicht danach. So kannst du dich und deinen Nafs konditionieren, inshaAllah. Das alles erfordert Disziplin. Fasse deine Absicht, bitte Allah um Hilfe und bleib dabei!
Kurz zusammengefasst nochmal: Schritt für Schritt und mit Zeit diese Dinge angehen. Möge Allah es dir erleichtern.
Und der allerletzte Punkt bezüglich heiraten:
Mach dir keine Gedanken darum, dass dich niemand möchte. Allah schickt dir jemanden, sobald die Zeit reif ist, InshaAllah :). Ich bin mir sicher, dass ein Diener, der sich abmüht in einer Sache, egal ob er seine persönlichen Ziele erreicht oder nicht, von Allah dennoch das Beste bekommt. Also solange du dich bemühst in jeglicher Hinsicht, die beste Version von dir zu sein, bekommst du von Allah das Beste ❤
Möge Allah dir zum besten Zeitpunkt deine 2. Hälfte schicken und eure Ehe dann segnen, euch rechtschaffene Kinder aus ihr hervorbringen und uns mit ihnen allesamt in Firdaus vereinen <3. Allahumma amin.
Deine Shaymaa

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