“Im Krieg ist die wichtigste Bedingung für den Sieg die Moral und der Mut des Soldaten. Ein demoralisierter Soldat, dem es an Mut mangelt, kann nicht kämpfen, selbst wenn er mit den besten Waffen und der modernsten Technik ausgestattet ist. Auch wenn es wichtig ist, akademische Werkzeuge im Kopf zu behalten, um Einsicht in den Qur’ān zu gewinnen, ist der Zustand des Herzens einer Person noch wichtiger. Ohne ein gesundes Herz wird sich die gesamte Anstrengung einer Person als fruchtlose Übung erweisen. Ich möchte daher ein paar Worte darüber sagen, wie man den Zustand des eigenen Herzens beobachten und ihn rein und gerade halten kann.”
Aufrichtigkeit der Absicht
Die erste und wichtigste Voraussetzung dafür ist die Absicht einer Person, die sich dem Qur’ān annähert. Damit meine ich, dass eine Person sich dem Qur’ān nur nähern sollte, um Führung zu suchen und zu keinem anderen Zweck. Er darf keine Hintergedanken haben. Sonst wird er nicht nur seiner Segnungen beraubt, sondern, so fürchte ich, sogar noch weiter von ihm getrieben.
Wenn jemand über den Qur’ān schreibt, um Ruhm als Exegete und Gelehrter des Qur’ān zu erwerben oder um Geld zu verdienen, mag er diese erlangen, aber er wird sich dadurch sicherlich der wahren Kenntnis des Qur’ān berauben.
Ähnlich kann es sein, dass jemand, der einige merkwürdige Ansichten hat und sich dem Qur’ān nur annähert, um nach einigen Argumenten zu suchen, die seinen Standpunkt stützen, einige fadenscheinige Argumente für seinen Zweck finden kann. Dies wird er jedoch auf die Gefahr hin erreichen, die Tür zu einem wahren Verständnis des Qur’ān zu verschliessen.
Allah hat den Qur’ān als ein Buch der Rechtleitung herabgesandt und in jedes Menschenherz den Wunsch nach Rechtleitung gelegt. Wenn sich also jemand dem Qur’ān nähert, um Führung zu erlangen, wird er diese Führung finden und davon profitieren, abhängig von seinen Bemühungen und der Gnade Allahs.
Wenn er aber mit einem anderen Grundmotiv an ihn herantritt und den Qur’ān zu diesem Zweck verwenden will, dann wird er nach dem Prinzip «für jeden nach seinem Willen» daraus gewinnen, was er suchte. Es ist wegen dieser Eigenschaft des Qur’ān, dass Allāh sagte: «Er lässt damit viele in die Irre gehen und leitet damit viele» , aber dann fügt er hinzu: «Und Er lässt nur die Verdorbenen in die Irre gehen» (al-Baqarah, 2:26). Dies bezieht sich auf diejenigen, die vorsätzlich vom geraden natürlichen Weg abweichen und danach trachten, die Rechtleitung in den Irrtum und das Licht in die Finsternisse zu verdrehen.
Dies erklärt das zugrunde liegende Prinzip, durch das eine Person gesegnet oder der Segnungen des Qur’ān beraubt wird. Allah gibt den Menschen, was sie begehren. Wer darauf besteht, Götzen anzubeten, auch wenn er in der Ka’bah, dem Haus Allahs, ist, ist nicht geeignet, sich der himmlischen Freude des Monotheismus zu erfreuen und den Einen Wahren Gott anzubeten. Solch ein Mensch ist wie einer, der nur Dornen von einem Rosenstrauch sammelt; die Schönheit und der Duft seiner Blumen gehen ihm verloren.
Ebenso kann ein Mensch, der in seiner Perversität ein heilsames Mittel in einen tödlichen Trank verwandelt, niemals geheilt werden. Er kann nur auf eine Zunahme seiner Krankheit hoffen. Der Qur’ān bezieht sich auf diesen Zustand mit folgenden Worten: «Sie sind es, die die Rechtleitung gegen das Irrtum eingetauscht haben, aber ihr Handel hat ihnen keinen Gewinn gebracht. Und sie waren es nicht, die Rechtleitung fanden» (al-Baqara, 2:16).
Übersetzt aus: “Pondering Over The Qur’an: Surah al-Fatiha and Surah al-Baqarah” von Amin Ahsan Islahi


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